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Berlin, Du bist so bittersüß
Nach 1989 änderten sich in Berlin nicht nur die politischen Verhältnisse. Es gab drastische demographische Verschiebungen und durch das Nachhallen jenes revolutionären Moments der Wiedervereinigung kam auch so manch anderes in Wallung und Bewegung. Auch im Bereich der Bar- und Club-Szene sowie ihres musikalischen Gesichts und der gestalterischen Untermalung tat sich einiges.
Über den im Jahr ‘89 eröffneten Tresor Club wurde unlängst sogar mit „SubBerlin: the story of Tresor Club“ ein Film veröffentlicht, der nochmal einiges an Geschehen (von den Anfängen bis heute in neuer Location) unter die Lupe nimmt (mehr dazu HIER). Und Berlin Calling hat mittlerweile wahrscheinlich sowieso echt jeder gesehen… Ein toller Film zweifelsfrei - allerdings auch ein Beitrag zu einer langen Folge kommerzieller Bekanntmachungen über den Nach-Wende-Underground im “neuen” Osten, ja, insbesondere zunächst in Berlin Mitte, später dann im Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Die herrschende Kultur erhebt auf diese Weise die Subkultur in ihren Stand und macht sie populär. Heute hat Berlin de facto keine Subkultur mehr. Everything is Pop. Pop is everything. Die Partygemeinde ist im letzten Jahr trotzdem nicht langweilig geworden. Einige Clubs sind verschwunden (Scala). Andere Etablissements nur kurz aufgepoppt (Stattbad?!). Und mit Ritter Butzke, .hbc und dem VCF Club haben sich beispielsweise einige auch endgültig in der Riege der places to be etabliert. So ist es schließlich auch mit ganzen Genres in der Musik. Punk, New Metal, Nu Rave (2006 entstanden, 2007 bereits in der Süddeutschen Zeitung besprochen), Indie Rock oder auch Emocore ging das schon so. Irgendwann waren sie alle subkulturelle Strömungen.
Es macht wirklich noch immer Spaß in Berlin zu Feiern. Ja auch wenn die Clubs selbst mal leer sind, und manche Veranstalter schon sehr verhalten mit der Lautstärke ihrer Soundanlagen umgehen. Musik und Contemporary Art sowie transmediale Gestaltung finden hier in noch dazu archtektonisch sehr spannenden, teils nur halb- bis gar nicht legalen Räumlichkeiten häufiger als anderswo einen Weg, sich gegenseitig zu befruchten und bis hin zur prächtig schillernden Melange, für deren Unberechenbarkeit Berlin berühmt ist, ineinander zu verschmelzen. Bilden wir uns nur nicht ein, dass wir uns damit ach so abseitig der Gesellschaft und ihrer Normen befinden. Ich würde sagen, die hiesige Clubszene ist gleich schräg links dahinter anzusiedeln. Und sie sollte ihren Durst nach Neuem, d.h. nach Gegenkultur, Dissens und Entgrenzung natürlich trotzdem nie verlieren. Auch wenn die Errungenschaften dessen einer Szene fast immer nur kurze Zeit ganz exklusiv erhalten bleiben (dann haben wir wirklich eine Subkultur!).
