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Brokof im Interview
Die Herren von Brokof formten sich im Jahr 2007 zur Band. Alle Mitglieder kannten sich jedoch schon lange, lange vorher. Neben der Band betreiben sie auch ein Tonstudio zusammen. Nach dem Release "Sorry Gilberto vs. Brokof" mit drei Songs der Band, ist nun ihr erstes full-length Album "Softly, Softly Catchee Monkey" veröffentlicht worden. Während der dazugehörigen Deutschland-Tour hatten wir mit unserem Interview die Gelegenheit noch ein bisschen mehr über dieser vielversprechende, neue Band herauszufinden...
1. Brokof - das klingt nach wohlüberlegter Namensgebung mit Symbolcharakter. Woher stammt der Name/Begriff Brokof ursprünglich und wieso identifiziert Ihr als Band Euch damit?
Der Name stammt aus Fabians Familiengeschichte. Der Brofok, so wurde er in den Erzählungen genannt, diente im zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Da er wusste, dass seine Frau schwanger
war, versuchte er insgesamt 4 mal von der Front zu fliehen. Die Nazis haben ihn jedes mal wieder eingefangen und beim vierten Mal wurde er als sogenannter Minenläufer über Feld geschickt und
fand so auf der Halbinsel Krim seinen Tod. Er hat seine Tochter nie gesehen. Alle Briefe von ihm und die Geschichten, die von ihm erzählen , schildern ihn als lebensfrohen Spieler von ausserordentlicher Musikalität.
2. Ihr habt lange an diesem ersten Album gearbeitet. Trotzdem klingen einige Songs geradezu beschwingt in ihrer Leichtigkeit. Wie entstehen und reifen Eure Songs. Gibt Es bei Euch im Studio auch Raum für Spontanität?
Unbedingt. Spontanität ist das Glück das man ja irgendwie immer in der kreativen Arbeit sucht. Wir glauben dass man Spontanität nicht erzwingen kann, sondern nur den Raum dafür schaffen, dass sie sich einstellt. Dazu gehört dann auch Geduld und das Vertrauen den richtigen Moment zu erkennen. Wir haben den Grossteil der Songs auf der Platte live eingespielt und das geht ja eigentlich recht schnell. Auf der Platte ist aber auch nur ein Bruchteil des Materials zu hören, an dem wir gearbeitet haben. Wir haben zwischendurch immer mal wieder gedacht, wir wären jetzt fertig, aber wir sind ehrlich genug miteinander, um zu merken wenn das nicht stimmt. Da wurde schon auch mal ein mögliches Album wieder verworfen. Ausserdem sind wir durch die Studioarbeit natürlich auch zu Freaks geworden und wollen da auch keine Abstriche machen. Mit Bandmaschine aufzunehmen dauert beispielsweise einfach länger als Digital und wer weiss, ob andere den Unterschied dann wirklich hören, wir aber schon und dann kann und will man nicht mehr zurück. Und ganz ehrlich? Wir geniessen es auch manchmal, einfach erstmal dazusitzen, viel zu reden und zu planen. Auf diesen Druck ins Studio gehen zu müssen, und dann in 5 Tagen die Platte einzutrommeln, um danach zu überlegen wie man da noch die Hook reingerasselt kriegt, stehen wir nicht.
3. Ihr seid gerade auf Deutschlandtour. Könnt Ihr uns etwas von Eurem letzten Gig oder irgendeinem besonderen Erlebnis unterwegs erzählen?
Ach, irgendwie ist da jeder Tag besonders. In den kleinen Dingen ist manchmal so viel Schönheit zu entdecken. Wie unglaublich freundlich die Leute zu uns sind, wie liebevoll wir untergebracht werden zum Beispiel. Uns begegnet da eine sehr grosse Offenheit, die uns Freude macht. In Hamburg waren wir auch bei Martin Bronsema, dem Künstler von dem die Originale zu unseren Cover Bildern stammen. Es war unglaublich vor diesen Bildern zu stehen und die Gestalten die auf unseren Platten zu sehen sind, plötzlich in so einer Grösse vor sich zu haben. Wir haben tatsächlich auch einfach sehr viel Spaß aneinander und können ganz gut über uns lachen. Jeder ist da mal die Witzfigur des Moments und kann das ab. Wir kennen uns einfach lang genug dafür, unsere Macken und Befindlichkeiten sind immer wieder Anlass uns gegenseitig auf die Schippe zu nehmen.
4. ... Uns gefällt das Artwork des Albums und Eurer Myspace-Seite unwahrscheinlich gut...
Wir haben da grosses Glück. Wie gesagt, die Bilder auf den Covern sind vom Hamburger Künstler Martin Bronsema, den wir sehr mögen und der etwas ausdrückt dass auch in unserer Musik zu finden ist. Wir verstehen uns sehr gut mit ihm und sind durch die mit uns befreundete Galerie Oelfrüh in Hamburg auf ihn aufmerksam geworden. Er war sofort bereit mit uns zu arbeiten und da gibt es ein unausgesprochenes gegenseitiges Verständnis. Alle Schriftsätze und Header stammen aus der Zusammenarbeit mit Katharina Langer, einer wunderbaren Grafikerin, die wir auch aus dem Galerie Oelfrüh Zusammenhang kennen. Die Arbeit mit ihr macht sehr grossen Spass, wir legen unser Material zusammen und sie formt dann daraus eine sehr stimmige Welt.
5. Zurück zu Eurer Platte: Was sind die "großen Themen" auf dem Album?
Naja, vieles wird da ja in kurzen Momenten erzählt. Meist berichtet ein Bruchteil eines Augenblicks von der Welt, die um den Augenblick herum passiert. Die grossen Themen sind die gleichen wie die grossen Themen in jedem Leben also Liebe, Tod, Selbstsuche etc. Wir versuchen von der Suche zu erzählen und von dem, was zwischen dem Suchen und Finden liegt, vom Entschluss fassen und vom daran festhalten. Bewegung. Es gibt ja oft Gegensatzpaare, die wenn sie miteinander stehen eine Reibung erzeugen die spannend ist, also beispielsweise Aufbruch und Vergänglichkeit. Und wie man sich auflehnt gegen das Schicksal aber sich ihm doch immer wieder hingeben muss. Wann wir machtlos sind und welche Schlüsse wir ziehen um doch nicht umsonst zu sein.
6. Viele Menschen haben ganz bestimmte Bilder im Kopf, wenn sie Musik hören. Was sind Eure Bilder zu den Songs? Könnt Ihr da ein paar Gedanken mit uns teilen?
Also bei mir ändert sich das oft. Ich habe nicht immer die gleichen Bilder zu den Songs im Kopf. Natürlich mischen sich da manchmal autobiografische Sachen hinein, die besonders wenn sie ursächlich mit den Stücken zu tun haben auch bleiben. Bei Run Run Run beispielsweise gibt es das Bild eines Küstenstreifens in Südspanien, an dem ich entlanggelaufen bin und dieses Lied im Kopf geschrieben habe. Ich hatte dort kein Instrument zur Hand und habe mir die Komposition einfach vorgestellt und dazu vor mich hergesungen. Dieses Bild hat sich eingeprägt. Ich glaube Landschaft und die Weite die man dort findet sind Bilder die ganz gut zu unserer Musik passen.
7. Vielleicht ist es noch zu früh, um darüber zu reden ... Aber habt Ihr schon eine Idee, wohin Euch die Zukunft musikalisch leiten wird?
Wir denken da auch schon drüber nach, besonders weil ein grosser Teil der Songs für das nächste Album eigentlich schon geschrieben ist. Es gibt ja Dinge die man unterwegs lernt und manchmal beim nächsten Mal auch anders machen will. Wir sind der festen Überzeugung, dass die nächste Platte schneller entstehen wird als unser Debüt und tauschen uns da auch schon über Sound, Form und Arbeitsweisen aus, können hier aber noch nicht allzuviel mehr vorwegnehmen, ausser dass wir uns schon sehr auf die Arbeit freuen.
8. Ihr spielt am 17.11. im LIDO. Ist Berlin für Euch immer ein Heimspiel? Beziehungsweise: Wo kommt Ihr her? Und wenn wir einmal dabei sind: Wo liegen Eurer Meinung nach Eure musikalischen Wurzeln?
Wir kommen alle nicht aus Berlin, leben aber lang genug hier um uns als Berliner wahrzunehmen und dahingehend stimmt das mit dem Heimspiel natürlich mehr als irgendwo sonst. Es macht Spass in Berlin zu spielen, natürlich auch weil die meisten Leute die nah um uns herum sind von hier kommen und wir davor und danach gern Zeit mit ihnen verbringen. Ausserdem arbeiten an Brokof ja auch immer noch andere Leute mit und ganz klar sind viel davon hier zu Hause und es ist schön wenn sie dann an so einem Abend dabei sind.
Unsere musikalischen Wurzeln sind sehr verschieden und es wäre eine unglaublich lange Liste die hier dann stehen müsste. Natürlich haben wir auch Sachen die wir alle gut finden und auf die wir uns einigen können. Viel wichtiger ist aber, dass wir ein ziemlich deutliches Gefühl dafür haben was Brokof ist und was nicht. Es ist ganz erstaunlich aber in dieser Entscheidung sind wir uns letztlich auch immer einig, selbst wenn wir uns mal in den Haaren darüber liegen. Am Ende wissen wir, dass da nur Einstimmigkeit geht und haben das Glück uns da auch zu verstehen.
9. Welche Musiker findet Ihr großartig?
Lebende oder Tote?
Es gibt unendlich viele gute Musiker, sie als grossartig zu bezeichnen fällt natürlich viel leichter wenn man auch das Lebenswerk irgendwie schon überblicken kann. Klar, Dylan, Guthry, Lennon, Mc Cartney oder Cash sind grossartige Musiker und es gibt da eine ganze Reihe mehr die man hier nennen könnte. Von Mozart, Beethoven und dergleichen ganz zu schweigen. Bei den Musikern der Gegenwart ist es leichter zu sagen, wen man gut findet oder wer einem gefällt oder so, aber die als großartig zu bezeichnen finde ich eher schwierig.
10. Welchen Song hättet Ihr gerne geschrieben und warum?
Also ich persönlich hätte gern ein paar geschrieben die mir kurz bevor sie fertig waren wieder davongeflogen sind. Und ein paar andere gibt's da auch schon. "Lucy in the Sky" von den Beatles oder "These Are Your Friends" von Adem. Aber wer weiss was wir noch alles so hinkriegen…
Vielen Dank für dieses Interview! Wir werden Brokof auf alle Fälle auch zukünftig treu bleiben und wünschen Euch somit alles Gute!
