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Technology – 9. March 2010

Interview mit Prof. Dr. Gesche Joost

by 4010

Prof. Dr. Gesche Joost

Liebe Frau Joost, es wäre schön, wenn Sie uns ein, zwei Sätze zu Ihrer Person sagen würden.
Ich bin Kielerin, also Fischkopf und habe in Köln Design studiert. Ich fand Design ganz reizvoll, hatte jedoch schon immer den gewissen Link in die Theorie und zum Thema „Gender“ gehabt. Wir hatten eine Professorin, die damals innerhalb Europas den ersten Lehrstuhl für „Gender“ und Design innehatte.
2001 war ich fertige Designerin und wollte mich aber auch theoretisch weiterentwickeln, darin promovieren, was im Be-
reich Design in Deutschland jedoch immer noch sehr schwierig ist und damals noch schwieriger war. Meine Promotion haben ich letztendlich in Tübingen gemacht. Auf die T-Labs bin ich eher durch Zufall gestoßen. Durch ein Gespräch mit unserem Leiter, dem Peter Möckel, kamen wir darauf, dass das eigentlich eine gute Kombination sein könnte. Wissenschaftliche Fun-dierung mit dem Fokus Design. Für uns war es ein Experiment. Ich habe hier die Designforschung aufge-baut und habe inzwischen acht Doktorandinnen und Dok-toranden in meinem Team. Wir bewegen uns hier auf absolutem Neuland. Nebenbei bin ich noch ein bisschen an der Uni tätig, aber es ist ein wirklich schönes Reich, was wir uns da erschaffen haben. 

Sie sind Leiterin der Design Research Abteilung der T-Labs. Was genau können wir uns darunter vorstellen?
Wir erforschen insgesamt die Frage, was eine design-spezifische Forschung ist. Der interessante Aspekt daran ist, dass die Praxis ein ganz zentralerBestandteil ist. Wir entwickeln also reale Produkte oder Prototypen. Durch die Arbeit mit Prototypen und die ganz enge Zusammenarbeit mit Leuten in ihrem Alltag, entwickeln wir benutzerfreundliche Produkte. In der Praxis sieht das so aus, dass wir in ganz enger Zusam-menarbeit mit „normalen“ Leuten entwickeln. Wir sind nicht die Experten, die sagen, so und so hat das zu sein, sondern wir laden sie ein zum „Co-Design“ – Do it yourself!

Die T-Labs arbeiten ja sehr eng mit der TU Berlin zusammen. Sie sind dort Juniorprofessorin im Fach-gebiet „Interaction Design & Media“. Wie genau kann man sich die Zusammenarbeit zwischen Konzern und Hochschule vorstellen?
Das ist ein ganz interessantes Modell. Es fing 2004 an und ist als Konstrukt ein „An-Institut“, das heißt, wir sind ein offizielles An-Institut der TU. Die Hälfte der Leute kommen von der TU und die andere Hälftesind Telekom Mitarbeiter. Der Clou an der Sache ist, die TU Seite steht für die Forschung, also auch die freie wissenschaftliche Seite, und die Telekom für die Ent-wicklung. Was man dadurch erreicht, ist, dass man direkt Ergebnisse aus
der international ausgerichteten Spitzenforschung in Entwicklungsprojekte transferieren kann und dadurch die besten Synergien ziehen kann. Wir arbeiten nicht abstrakt wissenschaftlich, sondern ganz konkret auf den Punkt.

Wir kommen ja bei uns im 4010 ab Mitte März in den Genuss einen Ihrer Prototypen, „das lebendige Handy“ zum Anfassen, präsentieren zu dürfen. Gibt es 2010 noch mehr T-Lab Output bei uns zu sehen?

Wir erforschen gerade das große Thema „Gender“ und da haben wir uns die Frage gestellt, gibt es Unterschiede in den Bedürfnissen oder Wünschen von Frauen und Männern an Kommunikationstechnologie. Daraufhin haben wir mit Frauen im Alter von 14 bis 65 eigene Ideen ent-wickelt und mit ihnen erarbeitet, wie ihre Prototypen aussehen sollten. Momentan sitzen wir dran, genaudiese Ideen und Ansätze als Apps zu programmieren. Eine schöne Möglichkeit einer Kooperation mit dem 4010 wäre es, erste Versionen dieser Apps vorzustellen und zupräsentieren. Also so eine Art kleines Lab im 4010 Store. Mal sehen, was der Sommer so bringt ...

Eine ausführlichere Version des Interviews findet Ihr im 4010 Magazin, das bei uns im Store für Euch ausliegt!


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