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Wie hat Twitter Dein Eheleben verändert?
Lange Zeit wusste auf Twitter niemand, dass wir - @litchi7 und @vergraemer - verheiratet sind. Wir haben es nicht geheim gehalten, aber eben auch nicht an die große Glocke gehängt. Mittlerweile ist es aber doch einigen bekannt, was unser Twitter-Verhalten nachhaltig beeinflusst hat. Konnte man früher noch ungestört über den anderen herziehen, droht jetzt bei jeder Peinlichkeit die Bloßstellung vor einer ganzen Community. @schlenzalot widmete uns einmal einen Tweet, der sinngemäß lautete: „Viel lustiger sind die Tweets wenn man weiß, dass die beiden verheiratet sind.“ Spätestens ab da war Vorsicht geboten. Tritt einer von uns jetzt in ein überlebensgroßes Fettnäpfchen, schreit derjenige sofort: „Wehe Du twitterst das! Das ist mein Ernst!!!“ (Ich vermute mittlerweile, dass dies auch die letzten Worte sind, die ich auf meinem Sterbebett hinaushauchen werde. Wenn ich Glück habe, gibt es von diesem Moment dann nicht auch noch ein twitpic.) Das heißt natürlich noch lange nicht, dass sich der andere an das Tweet-Verbot hält. Während @vergraemer grundsätzlich kaum etwas peinlich ist, hat sich @litchi7 noch einen Rest Würde bewahrt. Manches schlüpft auch durch, denn wir lesen oder faven* tatsächlich nicht jeden Tweet des anderen. Da ist die unangenehme Überraschung irgendwann umso größer wenn man merkt, dass 15.000 Follower schon seit einer Woche wissen, dass man nach einer wilden Party in der eigenen Schlafsabberpfütze aufgewacht ist. (Dies ist natürlich ein drastisches Beispiel und nie passiert...ehrlich nicht, Mutti.) Viele Tweets fußen tatsächlich nicht auf realen Vorkommnissen – aber sie klingen so. Oder sie beziehen sich auf jemand anderen. Ich erinnere mich an einen speziellen Tweet von @vergraemer, in dem es um unangenehme Toilettengewohnheiten eines Kollegen ging. Leider war er so formuliert, dass man denken konnte, ich wäre es gewesen. Ich tobte, schrie, heulte „Na toll – jetzt denken alle, Du meinst mich!“ und drohte, seinen Laptop vom Balkon im 5. Stock zu werfen, bis @vergraemer sich erweichen ließ und den Tweet tatsächlich löschte. Was jedoch eigentlich wenig Sinn hat, sobald das erste Favsternchen daran klebt. Natürlich ist auch Konkurrenz ein Thema. Dass ich @vergraemer in Favs und Followerzahlen in diesem Leben nicht mehr einholen werde, steht außer Frage. Wenn man aber zusammen lebt und sehr viel Zeit miteinander verbringt, dann stellt sich bei manchen Tweets die Frage des Urheberrechts. Nichts bringt mich so schnell und so zuverlässig auf die Palme, wie die Behauptung des Gatten, mein Knaller-Tweet wäre eigentlich von ihm. Und umgekehrt. Genauso schlimm – wenn er von mir Dahingesagtes zu einem Tweet verarbeitet und dafür Hunderte von Favs kassiert. So geschehen mit einer SMS die ich ihm schickte um mitzuteilen, dass sein gestohlenes Portemonnaie in einem Mülleimer gefunden wurde. Die Geldbörse hatte außer seinem Honorar in Bar und diverse Karten auch seinen alten Führerschein beinhaltet. Alles andere war ein herber Verlust, aber um den Führerschein und vor allem das unglaubliche Foto, welches @vergraemer mit zart-pubertierenden 15 Jahren zeigt - mit dem er sich aber im Notfall immer noch ausweist - darum hatten wir sehr getrauert. Das Bild kann Lahme heilen und Blinde wieder sehen lassen. Vielleicht ist es auch umgekehrt. Das eigentlich Erstaunliche ist aber, dass es bisher immer als Identifikation anerkannt wurde, obwohl es @vergraemer nicht ähnlicher sieht als Brigitte Mira. Deshalb schrieb ich überglücklich: „Deine Brieftasche ist gefunden worden. An Dein Führerscheinfoto hat der Dieb ein Post-it mit „LOL!“ geklebt.“ @vergraemer machte daraus den Tweet: „Brieftaschendieb hat mir wenigstens meine Papiere zurück geschickt. An meinem Führerscheinfoto hing ein Post-it mit "LOL!!!".“ Und heimste bis dato dafür 184 Favs ein. Ich könnte mir noch heute in den Hintern beißen. Öffentlichkeit hilft aber bekanntlich auch, um auf Missstände hinzuweisen. Warum alleine leiden und sich den Mund fusselig reden, wenn ein wohl platzierter Tweet schnell Abhilfe schaffen kann? Quasi Gattenerziehung durch Twitter. „Jemand hier schafft es tatsächlich, seinen blauen Zahnpastamund immer am weißen Handtuch abzuwischen, weißen Schaum aber am schwarzen.“ Oder: „Uraltes Geheimwissen, das nur unter Frauen weitergegeben wird: "Toilettenpapierrollewechseln" und "Geschirrspüler öffnen und beladen". Wirkt fast so schnell und zuverlässig wie ein unter Strom gesetzter Rinderzaun. Zu guter Letzt kann man sich über Twitter natürlich auch der gegenseitigen Zuneigung versichern. „Liebe ist...wach zu liegen, weil er nicht da ist. (Und wenn er da ist, nicht schlafen zu können, weil er in mein Ohr schnarcht.)“ Und das sind schließlich die schönsten Tweets.
* Faven: Auf Twitter kann man hinter Tweets, die einem gut gefallen, einen Stern aktivieren. Das heißt: faven. Quasi favorisieren. Daraus werden Rankings erstellt. Wer die meisten Sterne hat etc.
